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BVM-Branchenbarometer 2025 Jährliche BVM-Umfrage zu Stimmung, Herausforderungen und Zukunftsperspektiven der Marktforschungsbranche

Struktureller und technologischer Wandel in der Marktforschung trifft auf Professionalität, Reflexionsfähigkeit und Innovationskraft

Das BVM‑Branchenbarometer 2025 liefert erneut ein differenziertes Bild der Lage und der Zukunftsperspektiven der Markt‑ und Sozialforschung in Deutschland. Die Ergebnisse zeigen: Die Branche befindet sich in einem tiefgreifenden Transformationsprozess, der mit hohen Anforderungen, aber ebenso mit großen Zukunftschancen verbunden ist.
Die Umfrage wurde 2025 zum dritten Mal nach ihrer Einführung im Jahr 2023 durchgeführt.

1. Attraktivität der Branche: stabiler Kern, veränderte Erwartungen

Trotz herausfordernder Rahmenbedingungen wird die Markt‑ und Sozialforschung weiterhin von einer Mehrheit der Befragten (2025 Top 2-Wert 62,5%) als attraktive und relevante Branche wahrgenommen. Zwar ist die Zustimmung gegenüber den Vorjahren etwas zurückgegangen, doch ist diese Entwicklung weniger als Verlust an Attraktivität zu interpretieren, sondern vielmehr Ausdruck eines realistischeren und reflektierteren Branchenbildes: Die Befragten bewerten die Marktforschung nicht mehr primär idealistisch, sondern vor dem Hintergrund gestiegener technologischer, wirtschaftlicher und organisationaler Anforderungen. Gerade für eine wissensintensive und innovationsgetriebene Branche ist eine realistische Selbstverortung ein wichtiges Zeichen von Professionalität und Verantwortungsbewusstsein.

Abb. 1: Attraktivität der Marktforschungsbranche

2. Arbeitsmarkt und Nachwuchs: klares Signal für Gestaltung

Die Chancen für Berufseinsteiger/innen in der Marktforschung werden aktuell deutlich zurückhaltender eingeschätzt als in den Vorjahren (2025 Top 2-Wert 22,5% / 2023 68%). Diese Bewertung spiegelt primär die aktuell verhaltene wirtschaftliche Lage sowie strukturelle Umbrüche wider – etwa durch Digitalisierung, Automatisierung und neue KI‑gestützte Arbeitsweisen. Gleichzeitig enthält dieses Ergebnis ein klares Signal und einen Gestaltungsauftrag für Branche und Verband: Die Nachfrage nach methodischer Kompetenz, analytischer Exzellenz, ethischem Urteilsvermögen und Beratungskompetenz bleibt hoch – sie verändert lediglich ihre Ausprägung. Gerade hier eröffnen sich neue, anspruchsvolle Berufsbilder, die der BVM aktiv mitgestalten kann, etwa durch Qualifizierungsangebote, Nachwuchsformate und ein modernes Berufsbild der Marktforschung.

Abb 2: Jobchancen für Berufseinsteiger/innen

3. Gedämpfte Branchenstimmung

Die in der Branche wahrgenommene Stimmung bleibt skeptisch – 2025 empfindet etwas mehr als jeder zweite Befragte die Stimmung als schlecht (2025 Top 2-Wert nur 18,8%). Die verhaltene Auftragslage, intensiver Preisdruck und die Herausforderungen durch Künstliche Intelligenz führen zu einer erhöhten Sensibilität innerhalb der Branche. Doch trotz gedämpfter Branchenstimmung wird die Markt- und Sozialforschung von mehr als 60 Prozent weiterhin als attraktive und relevante Branche wahrgenommen. Die intensive Auseinandersetzung mit Veränderungen, Unsicherheiten und neuen Marktbedingungen ist Ausdruck einer lebendigen Branche, die sich aktiv mit ihrer Zukunft beschäftigt und anpassungsfähig ist. 

Abb. 3: Aktuelle Stimmungslage

4. Geschäftslage: Anhaltend hoher Marktdruck bei gleichzeitiger Tendenz zur Stabilisierung

Die wirtschaftliche Lage vieler Institute wird weiterhin als herausfordernd beschrieben. Preisdruck und hohe Wettbewerbsintensität prägen das Marktumfeld. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse, dass sich die Auftragslage auf diesem gedämpften Niveau tendenziell einpendelt. Die Erwartungen für die kommenden Monate sind geprägt von vorsichtiger Zuversicht und der Annahme, dass sich Qualität, Beratungstiefe und methodische Kompetenz langfristig behaupten werden. Die wirtschaftliche Situation und der anhaltende intensive Preis- bzw. Wettbewerbsdruck, dem Marktforschungsinstitute aktuell ausgesetzt sind, führen zu einer erhöhten Sensibilität innerhalb der Branche. 

Abb. 4: Aktuelle Auftragslage
Abb. 5: Auftragslage in sechs Monaten
Abb. 6: Einschätzung Preisdruck
Abb. 7: wahrgenommenes Preisniveau der eigenen DL

5. Methodenwandel: klare Orientierung bei gleichzeitiger Innovation

Das Branchenbarometer bestätigt bekannte methodische Entwicklungen:

  • klassische Verfahren wie telefonische Befragungen verlieren zukünftig weiter an Bedeutung,
  • Online‑Befragungen und qualitative Methoden bleiben zukünftig wichtige Säulen,
  • analytische, datengetriebene Verfahren gewinnen zukünftig am stärksten an Relevanz.

Besonders deutlich zeigt sich der zentrale Stellenwert von Data Analytics und Künstlicher Intelligenz (KI). KI wird branchenweit als entscheidender Zukunftsfaktor gesehen. Diese Einschätzung ist bemerkenswert, weil sie nicht von kurzfristigem Hype, sondern von zukünftigem Gestaltungspotenzial getragen ist: KI wird als Werkzeug verstanden, das Prozesse unterstützt, Effizienz steigert und neue Erkenntnispfade eröffnet – nicht als Ersatz für methodische Kompetenz oder menschliche Urteilskraft.

Abb. 8: Zukünftige Bedeutung der Forschungsmethoden

6. Künstliche Intelligenz: Zukunftstreiber mit Verantwortungsaufgabe

Kaum ein Thema prägt die Marktforschungsbranche derzeit so stark wie Künstliche Intelligenz (KI). KI wird im beruflichen Alltag bereits verbreitet genutzt, jedoch insgesamt betrachtet auf moderatem Niveau und noch nicht flächendeckend tief in Arbeitsprozesse integriert. Im Durchschnitt liegt der KI-Einfluss im Arbeitsalltag bei 38,7 Prozent (Skala 0–100). Insgesamt zeigt die Verteilung einen Peak zwischen 11 und 30 Prozent, ein zweiter, kleinerer Peak zeigt sich bei 61–70 Prozent, während sehr hohe KI-Anteile über 80 Prozent selten sind. 

Abb. 9: Einfluss von KI im Arbeitsalltag

Es zeigen sich unterschiedliche Nutzungsmuster: In der betrieblichen Marktforschung ist die Verteilung stärker polarisiert, mit Schwerpunkten bei 11–20 sowie 61–70 Prozent, was auf eine Kombination aus anfänglicher und fortgeschrittener Nutzung hindeutet. Die Institutsmarktforschung weist eine gleichmäßigere Verteilung mit einem Fokus auf 21–30 Prozent auf und steht damit für eine stabil etablierte mittlere Nutzung. Andere Tätigkeitsbereiche folgen einem ähnlichen Verlauf.

Das Branchenbarometer zeigt: Die Markt‑ und Sozialforschung nimmt die zunehmende Bedeutung von KI auf. Damit positioniert sich die Branche klar als Gestalterin technologischer Innovation – mit einem hohen Anspruch an Qualität, Methodik, Validität und Ethik. Genau hier liegt eine große Chance für den BVM, Orientierung zu geben, Standards zu setzen und den verantwortungsvollen Einsatz von KI aktiv zu begleiten.

Abb. 10: Grad des KI-Einflusses im Arbeitsalltag

Studiensteckbrief

Im Folgenden sind die Grundinformationen zu den drei Erhebungen veröffentlicht.

Stand: März 2026