Jahrbuch der Marktforschung
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  • 20.05.2026

NPSplus trifft Semiotik – Wie KI-gestützte NPS-Analysen durch Bedeutungsanalyse strategisch anschlussfähig werden

Von Charlotte Hager und Johannes Hercher

Von Charlotte Hager und Johannes Hercher

Der Net Promoter Score (NPS) ist als Steuerungs-KPI etabliert, stößt bei der Interpretation qualitativer Daten aber oft an Grenzen. Während KI-gestützte Analysen zwar Skalierbarkeit ermöglichen, bleiben die strategischen Ableitungen oft auf einer rein funktionalen Ebene. Der innovative Ansatz „NPSplus trifft Semiotik“ will diese Lücke schließen. 

Was ist die Idee bzw. Ausgangssituation?

Der Net Promoter Score gehört heute zu den etabliertesten Steuerungstools im Customer Experience Management. Er liefert schnelle Orientierung, ist benchmarkfähig und schafft eine gemeinsame KPI-Logik im Unternehmen. Isoliert betrachtet ist er jedoch mitunter hilflos. Der NPS wird erst durch die Einbettung in automatisierte, kundenzentrierte Prozesse wirklich wirksam, die neben weiteren KPIs wie beispielsweise dem Customer Effort Score auch Kundenmotive erfassen und Kundenbindung erzeugen. Mit dem NPSplus System von Rogator wird aus der reinen NPS-Messung ein ganzheitlicher Ansatz.

Mit KI verändert sich die Arbeit mit NPS-Daten durchaus grundlegend: Offene Nennungen können automatisiert analysiert und in Echtzeit ausgewertet werden. Qualitative Daten werden skalierbar. Gleichzeitig bleibt die Interpretation dennoch oft oberflächlich. KI erkennt Muster und zeigt, was gesagt wird. Die Bedeutung für die Marke bleibt jedoch oft unklar. Die Interpretation bleibt auf funktionaler Ebene, strategische Ableitungen und Maßnahmen werden unscharf. 

Die gemeinsame Idee von Rogator AG und comrecon brand navigation war daher, KI-basierte NPS-Analysen um eine semiotische Interpretationsebene zu erweitern. Ziel war es, aus Clustern echte Bedeutungslogiken sichtbar zu machen. Nicht nur erkennen, welche Themen genannt werden, sondern auch, was dahintersteht.

Was ist die Methode?

Im ersten Schritt werden offene NPS-Nennungen mittels KI automatisiert analysiert. Die Systeme erkennen Themenfelder, bilden Cluster und machen Muster sichtbar. Dadurch entsteht in kürzester Zeit eine belastbare Struktur aus Promotoren-, Neutralen- und Detraktoren-Aussagen.

Im zweiten Schritt erfolgt die psycho-semiotische Analyse. Dabei werden Aussagen als Zeichen für dahinterliegende Bedeutungsräume genutzt. Die Analyse untersucht, welche impliziten Bedürfnisse Kundeninnen und Kunden an die Marke richten, welche Rollen Unternehmen unbewusst zugeschrieben werden und wodurch Loyalität oder Frustration tatsächlich entstehen.

Besonders relevant wird dies dort, wo ähnliche Scores auf völlig unterschiedliche psychologische Logiken verweisen. Genau an diesem Punkt stößt eine rein deskriptive NPS-Auswertung an ihre Grenzen.

Die Kombination aus KI-Strukturierung und semiotischer Tiefenanalyse verbindet damit Skalierbarkeit mit Interpretationskompetenz. 

Was sind die zentralen Ergebnisse und Erkenntnisse?

Anhand eines anonymisierten Cases zeigte sich, dass die KI zunächst klassische Themencluster identifizierte: Support, Geschwindigkeit, Software, Kommunikation oder Preis. Die semiotische Analyse machte sichtbar, dass sich hinter diesen scheinbar unterschiedlichen Themen ein gemeinsames Bedeutungszentrum verbarg:
„Das System muss laufen. Und wenn etwas ausfällt, muss sofort jemand da sein.“

Die Marke wurde von Kundinnen und Kunden nicht primär als Softwareanbieter gelesen, sondern als betriebsrelevante Infrastruktur. Begeisterung und Frustration entstanden dabei aus derselben Erwartungslogik: Verlässlichkeit.

Nicht die einzelnen Themen waren das eigentliche Problem, sondern die Inkonsistenz in der Beziehungserfahrung. 

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Charlotte Hager ist qualitative Marktforscherin mit Schwerpunkt auf Psycho-Semiotik, ethnografischen Methoden und tiefenpsychologischer Analyse. Sie macht implizite Bedeutungen und kulturelle Muster in Daten sichtbar und übersetzt diese in strategische Entscheidungen.

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Johannes Hercher ist Vorstand der Rogator AG, die er in den vergangenen 20 Jahren zum Premium-Anbieter entwickelt hat: von agilen Softwarelösungen für Onlinebefragungen über automatisierte Touchpoint Befragungen bis zur Full-Service- Dienstleistung in den Bereichen Customer- und Employee-Feedback.