Eine Ausbildung zum FAMS – auf alle Fälle!
Von Jörg Maas
Von Jörg Maas
Im Folgenden wird aus der Perspektive einer Persona – Julian – berichtet, wie die Ausbildung zur/zum Fachangestellten für Markt und Sozialforschung (FAMS) erlebt wird. Dabei wird auf Ausbildungsvoraussetzungen, Inhalte und Kompetenzen, handlungsorientierten Unterricht in Form von empirischen Projekten und Exkursionen sowie den Preis Best of FAMS der Branchenverbände eingegangen.
Das ist Julian; er macht eine Ausbildung zum Fachangestellten für Markt & Sozialforschung (FAMS).
Wie ist er auf diesen spannenden Ausbildungsberuf gekommen, der leider immer noch ziemlich unbekannt ist? Julian gehört zur Gen Z, er ist Digital Native und kennt sich in der digitalen Welt phantastisch aus. Er interessiert sich für neue Medien genauso wie wirtschaftspsychologische Fragestellungen – was treibt beispielsweise Konsumenten an, zu bestimmten Marken zu greifen? – und die Besonderheiten diverser Branchen. Julian ist zahlenaffin und schreibt und interpretiert gern. Zudem hat er bereits Erfahrungen mit einem für ihn eher zu theoretischen Studium hinter sich und sehnt sich nach Praxis. Er ist auf den FAMS-Beruf im Rahmen einer Internetrecherche gestoßen und hat eine engagierte Berufsberatung dazu bekommen.
Sein Ausbildungsinstitut mit Forschungsschwerpunkt in der Finanzdienstleistung, das in der Marktforschung aber auch Auftraggeber aus der Konsumgüterindustrie und der Automobilbranche bedient, war schnell gefunden. Julian hat zwei Tage zur Probe gearbeitet und beide Seiten waren sich einig: das passt! Der bzw. die FAMS zählt zu den dualen Ausbildungsberufen und ist vom Qualifikationsniveau auf der Ebene des Bank oder Medienkaufmanns angesiedelt. An drei Tagen in der Woche arbeitet Julian im Institut, die anderen beiden besucht er den Berufsschulunterricht am Joseph-DuMont-Berufskolleg in Köln. Deutschlandweit gibt es vier Schulstellen, die die FAMS besuchen können; z. T. auch im Blockunterricht (zweimal sieben Wochen im Jahr Unterricht am Stück und sonst Ausbildungsbetrieb).
Julians Klasse ist sehr vielschichtig: von Mittlerer Reife über Fachabitur bis zum abgeschlossenen Bachelor-Studenten ist alles dabei.
Julian findet es gerade spannend, dass Kompetenzen im Theorie-Praxiswechsel vermittelt werden. Die betrieblichen Inhalte sind in der Ausbildungsverordnung zur/zum FAMS geregelt und die schulischen im Rahmenlehrplan, hier des Landes Nordrhein-Westfalen. Wichtig ist, dass Ausbildungsbetrieb und Berufsschule in enger Verbindung zueinander stehen; dies wird neben niedrigschwelligem Kontakt zwischen Bildungsgangleitung und Betrieben beispielsweise durch Ausbildersprechtage sichergestellt. Zudem sollte es eine/n betrieblichen Ausbilder/in geben, die/ der die Lehrinhalte im Blick hat. Die staatlich anerkannte Abschlussprüfung wird nach zweieinhalb bis drei Jahren vor der örtlichen IHK abgelegt. Dort kann auch die Ausbildereignungsprüfung gemacht werden, die die Betriebe wiederum vorweisen müssen.
Was Julian aus der Berufsschule berichten kann ist, dass in den Lernfeldern 15 zunächst fundierte theoretische Inhalte abgehandelt werden. Das reicht von allgemeinen betriebs- und volkswirtschaftlichen Inhalten, die alle kaufmännischen Berufe vermittelt bekommen, über Marketing und Statistik bis zu fundierten methodischen Learnings: qualitative und quantitative Verfahren, Anwendungsfelder wie Medien oder Produktforschung oder Branchenspezifika wie Automobil- oder Gesundheitsstudien. Zudem bearbeitet Julians Klasse ein eigenständiges Forschungsprojekt, worauf sich alle schon besonders freuen. Gegenwärtig wird – moderiert vom begleitenden Klassenlehrerteam – ein Untersuchungsthema gesucht. Blickt man auf die Projektgeschichte der Kölner FAMS zurück, wurden zunächst vor allem Marktforschungsthemen behandelt – etwa mit Praxispartnern aus der Wirtschaft wie der Rewe Group oder der Generali Versicherung. In den letzten beiden Jahren rückten dann Sozialforschungsthemen in den Vordergrund, nämlich die Erfahrungen von Schülerinnen und Schülern mit dem Distanzunterricht während Corona (Schuljahr 2022/23) und die Evaluation von Gesundheitsaktiviäten (Schuljahr 2021/22) am Joseph-DuMont-Berufskolleg.
Mit beiden letztgenannten Projekten hat der Bildungsgang den bundesweiten Wettbewerb Best of FAMS zweimal hintereinander gewonnen (siehe Aufmacherbild: hier sind die Sieger des letztjährigen Preises zu sehen). Die Honorierung beinhaltet neben einem Preisgeld auch den Besuch des Kongresses der Deutschen Marktforschung in Frankfurt/Main. Wie Julian von der Klasse über ihm erfuhr, hat auch der gerade eingereichte Projektbericht „Wie stellen sich Berufsfach schüler/innen die Arbeitswelt der Zukunft vor?“ hohe Gewinnchancen, da bereits die schulinterne Präsentation eine große Resonanz erfahren hat.
Verbände unterstützen FAMS-Ausbildung
Es ist eine ausgezeichnete Idee der Branchenverbände ADM, BVM und DGOF, diesen Preis auszuloben: Neben der Bekanntheitssteigerung der FAMS-Ausbildung bekommen junge Menschen eine Bühne, ihr Können zu präsentieren und Branchenkontakte zu knüpfen; ggf. sogar einen zukünftigen Arbeitgeber zu finden.
Das einjährige empirische Befragungsprojekt setzt die berufsschulischen Ziele von handlungsorientiertem Unterricht besonders prägnant um: nah an der betrieblichen Alltagswirklichkeit der Auszubildenden, das heißt vom Angebot über die Instrumenterstellung und Feldarbeit bis hin zur Datenanalyse und Berichtlegung. Was Julian und seine Mitschüler/innen zudem sehr schätzen, sind interaktive Unterrichtsformen und das Vorhaben, möglichst viel an Aufgaben in der Berufsschule – und nicht zuhause – zu erledigen.
Julian ist gerade dabei, in Absprache mit seinem Ausbilder und dem Fachlehrer eine Exkursion seiner Klasse zu seinem Lehrinstitut zu organisieren. Dort wird der Betrieb vorgestellt und die Schülerinnen und Schüler können sich an praktischen Fragestellungen versuchen, etwa der Leitfadenerstellung im Rahmen eines qualitativen Projekts. Derartige Betriebsexkursionen ermöglichen es, über den Tellerrand zu schauen und die Vielseitigkeit der Ausbildungsplätze für Markt und Sozialforscher kennenzulernen.
Eine andere spannende Exkursion war die zur Succeet im Herbst 2023 nach Wiesbaden; auch hier konnten die FAMS aus Julians Klasse Branchenluft schnuppern und am BVM-Stand Interessenten an ihrem Berufsbild Frage und Antwort stehen.
Bezüglich seiner Zukunft hat Julian bereits große Pläne. Er schätzt am Berufsbild des Fachangestellten für Markt und Sozialforschung die vielfältigen Fragestellungen, die auf einen zukommen – sowohl thematisch als auch methodisch. In seiner Klasse befinden sich Amtliche Statistiker genauso wie Auszubildende aus Marktforschungsinstituten oder der Sozialforschung. Besonders hat es ihm die Medienforschung angetan: eine Mitschülerin lernt bei einem großen privaten TV-Sender und erzählt spannende Dinge. Auch das ist ein großer Vorteil der abgeschlossenen FAMS-Ausbildung: die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig, was nicht nur für suchende Arbeitgeber von Vorteil ist, sondern auch für Azubis wie Julian: er hat sich genau den richtigen Ausbildungsberuf ausgesucht. „FAMS lernen – jederzeit wieder!“


