Verbraucher setzen auf Langzeitfahrzeuge – Zwei Drittel planen keinen Autokauf
INNOFACT-Umfrage für Wirtschaftswoche zeigt: Hohe Zufriedenheit und Kostenbremsen halten Deutschen von Neuanschaffungen ab.
Düsseldorf, Januar 2026 – Die Deutschen bleiben ihren Autos treu: Eine aktuelle Umfrage der INNOFACT AG im Auftrag der Wirtschaftswoche zeigt, dass der Pkw-Markt schwierig bleibt. 63 Prozent der Befragten planen in den kommenden zwei Jahren keinen Autokauf. Die Kombination aus hoher Zufriedenheit mit dem eigenen Auto und wirtschaftlicher Vorsicht führt zu einer Zurückhaltung beim Fahrzeugkauf.
Langlebigkeit als neues Statussymbol
Besonders auffällig: 41 Prozent der Befragten fahren ihr Auto zehn Jahre oder länger, weitere 32 Prozent mindestens sechs Jahre. Hauptgrund für diese Entwicklung sind die steigenden Anschaffungskosten (30%), gefolgt von der allgemeinen Wirtschaftslage (29%) und fehlender Liquidität (28%).
Die finanzielle Realität zwingt viele zum Umdenken – statt Neuwagenstatus zählt heute Wirtschaftlichkeit. Gerade Haushalte mit einem monatlichen Nettoeinkommen unter 1.500 Euro behalten ihre Fahrzeuge besonders lange (52 %) und nennen finanzielle Engpässe überdurchschnittlich häufig als Grund (36 %).
Zufriedenheit schlägt Kaufreiz
Der wichtigste Grund gegen einen kurzfristigen Fahrzeugwechsel ist schlicht die Zufriedenheit mit dem aktuellen Wagen (68 %). Besonders ausgeprägt ist diese Haltung bei Besserverdienenden (über 2.500 Euro) sowie in der mittleren und älteren Generation, die zu über 70 Prozent mit ihren Fahrzeugen zufrieden sind. Jüngere Verbraucherinnen und Verbraucher dagegen treiben den Markt: 45 Prozent der 18- bis 39-Jährigen planen innerhalb der nächsten zwei Jahre einen Autokauf, ebenso viele Berufstätige (47 %).
TÜV-Pflicht ohne Kaufimpuls
Eine geplante jährliche TÜV-Pflicht für ältere Fahrzeuge dürfte den Markt hingegen kaum beleben: 55 Prozent der heutigen Pkw-Besitzer*innen würden sich davon nicht zu einer Neuanschaffung bewegen lassen. Lediglich die jüngste Fahrergruppe zeigt leichte Wechselbereitschaft – während Geringverdienende deutlich ablehnender reagieren und den finanziellen Druck stärker spüren.
Ältere halten länger, Jüngere wechseln häufiger
Eine klare Altersdynamik zeichnet sich ab: Während über die Hälfte der über 60-Jährigen (52 %) ihren Wagen zehn Jahre oder länger nutzt, wechseln junge Fahrer:innen unter 40 deutlich häufiger – rund 40 Prozent tauschen ihr Auto bereits nach spätestens fünf Jahren.
Stimmung im Markt: Stabil, aber verhalten
Insgesamt deuten die Daten auf ein neues Normal hin – ein Autoland, das seine Fahrzeuge pflegt, anstatt sie zu ersetzen. Diese Entwicklung hat sowohl ökologische als auch ökonomische Konsequenzen: geringere Neuwagennachfrage, längere Produktzyklen und ein wachsendes Marktpotenzial für Wartungs- und Gebrauchtwagensegmente.
Über die Studie:
Die Online-Umfrage wurde im Dezember 2025 von INNOFACT AG im Auftrag der Wirtschaftswoche in Düsseldorf durchgeführt. Befragt wurden 1.010 Personen der deutschen Wohnbevölkerung ab 18 Jahren. Analysiert wurden das Pkw-Kauf- und Besitzverhalten sowie Einstellungen zu möglichen regulatorischen Änderungen.
