Jahrbuch der Marktforschung
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  • 05.06.2024

"Das Engagement für Nachhaltigkeitsinitiativen ist bei uns stark ausgeprägt"

Interview mit Christoph Preuß

Interview mit Christoph Preuß

Auch in den Instituten ist Umsetzung von Nachhaltigkeit ein Thema: Ipsos hat bereits viel umgesetzt und das früh. Deutschland-CEO Christoph Preuß hat daher zu Recht einiges zu berichten. Er selber steht seit 2023 an der Spitze des Marktforschungsunternehmens in Deutschland. Er war zuvor bei der GfK, Vodafone, SAP oder Siemens und bringt damit viel Background aus internationalen Konzernen mit.

Ipsos beschäftigt sich schon sehr lange mit dem Thema Nachhaltigkeit intern wie extern – nicht erst, seit der Trend ganz akut wurde. Was war damals der Impuls?

Preuß: Als Markt und Sozialforschungsinstitut waren wir als Ipsos stets Partner für Insights und Beratung, insbesondere auch im Hinblick auf das Thema Nachhaltigkeit. In unseren Projekten und globalen Ipsos-Studien legen wir für Unternehmen, Politik und Gesellschaft die Grundlage für besser informierte, nachhaltige Entscheidungen. Bemerkenswert ist aus meiner Sicht zudem, dass Ipsos bereits im Jahr 2008 als erstes globales Forschungsunternehmen dem UN Global Compact beigetreten ist. Die damit einhergehende Verpflichtung auf die zehn Prinzipien des UNGC mit den Schwerpunkten Menschenrechte, Arbeitsstandards, Umweltschutz und Korruptionsbekämpfung ist das Wertegerüst für unsere Aktivitäten im Bereich Corporate Social Responsibility (CSR). Dies ist auch belegt durch die 2012 auf globaler Ebene neu etablierte Position des „Group CSR Officer“. Im selben Jahr starteten wir als IpsosGruppe mit der Messung unserer CO2-Emissionen und veröffentlichen sie seitdem im Green House Gas Emission Report (GHG). Diese Messung führen wir inzwischen in 90 Ländern in allen Niederlassungen durch.

Welche Auswirklungen spüren Sie im Unternehmen bei der Umsetzung von Nachhaltigkeit, welches Ergebnis hat Sie besonders überrascht? 

Das Interesse und das Engagement für Nachhaltigkeitsinitiativen sind bei unseren Mitarbeitenden stark ausgeprägt. Besonders gefreut hat mich, dass sich im vergangenen Jahr viele unserer Mitarbeitenden im ESG-Bereich aktiv miteingebracht haben, insbesondere bei Baumpflanzaktionen, Mülltrennung und Energiesparmaßnahmen. Bei unserem Social September im letzten Jahr hat sich fast jede/r dritte Mitarbeitende in Deutschland in einem Tagesprojekt in sozialen Einrichtungen, Flüchtlingsunterkünften, Kitas, Tafeln oder Suppenküchen engagiert. Ein echtes Win-Win, denn wir haben nicht nur Gutes für andere getan, sondern auch unseren Teamspirit gestärkt und unseren Horizont erweitert.

Inwieweit differiert international das Verständnis oder auch die Auffassung von Nachhaltigkeit innerhalb der eigenen Organisation Ipsos? 

Wir haben 148 Niederlassungen in 90 Ländern auf allen Kontinenten. Natürlich variiert da das Verständnis von Nachhaltigkeit je nach Kultur und Gesellschaft. Mit unseren welt weiten Mitarbeiternetzwerken verfolgen wir einen globalen Ansatz, den wir in unseren landes und kulturspezifischen Kontexten auf lokale Anforderungen adaptieren. Neben ökologischen Nachhaltigkeitsinitiativen haben wir in den letzten Jahren zusammen mit unserem Headquarter in Paris auch zahlreiche Maßnahmen im PeopleBereich umgesetzt. Seit letztem Jahr liegt der Schwerpunkt unserer internen Aktivitäten in den Bereichen Diversity, Equity & Inclusion (DEI) sowie Gender Balance. Hier variieren natürlich die Ausgangslagen in den verschiedenen Ländern. So berichtete beispielsweise ein Manager aus unserem malaysischen Office von weiblichen Kolleginnen, die zwar bei Ipsos Führungsverantwortung übernehmen und Teams leiten, in ihrem häuslichen Umfeld jedoch kaum Rechte besitzen. In Brasilien, einem Land, in dem eine liberale Gesetzgebung einer hohen Quote gewalttätiger Übergriffe gegen queere Menschen gegenübersteht, gibt es bei Ipsos wiederum ein sehr mutiges PrideNetwork, das vor Ort von den Kollegen und Kolleginnen ins Leben gerufen wurde. Auch bei uns in Deutschland stehen die Themen Geschlechtergerechtigkeit und LGBTQ-Rechte hoch auf der Agenda. Wir sind stolz, uns als Ipsos Deutschland für die Belange der queeren Community einzusetzen, ebenso wie auf unser starkes und engagiertes Gender Balance Network.

Die Fragen stellte Christian Thunig.
Erstmals erschienen im Jahrbuch der Marktforschung 2024 (ET:05.06.2024)
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Dr. Christoph Preuß leitet seit Januar 2023 als CEO das Geschäft von Ipsos in Deutschland. Zuvor war er über fünfzehn Jahre in leitenden Managementfunktionen tätig. Zuletzt verantwortete Christoph bei der GfK als Global Vice President das globale Marketing und das Consumer Insights-Geschäft, davor war er für Vodafone und die freenet-Gruppe im General Management und leitenden Vertriebs- und Marketing-Funktionen tätig. Bei Ipsos unterstützt Christoph aus Überzeugung die Gestaltung und Umsetzung der komplexen ESG Agenda bis hin zur aktiven Teilnahme an Corporate Social Responsibility (CSR)-Tagen.