Die Krise des Klimadiskurses und Lösungswege aus dieser Krise – Morphologische Längsschnittuntersuchung
Von Dirk Ziems
Von Dirk ZiemsDie gesellschaftlichen Diskurse zu den Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz zeichnen sich durch ein hohes Maß an Fluktuation aus. Mal steht die Bedrohlichkeit der Klimakrise im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Sobald jedoch Konsequenzen gezogen werden, erscheinen Gesetze und Maßnahmen als unverhältnismäßige Zumutung.
Erhebungs-Tool: Das Panel „Deutschland-Psychogramm“
Um die psychologischen Mechanismen zu verstehen, die hinter den fluktuierenden öffentlichen Diskursen stehen, führen wir Tiefeninterviews im Rahmen unseres Deutschland-Psychogramm-Panels durch. In diesem Panel wird eine repräsentativ ausgewählte Gruppe von 30 Testpersonen (gleichmäßige Berücksichtigung von Soziodemografie, politischer Einstellung, etc.) zeitversetzt in regelmäßigen Abständen interviewt. Dadurch ergibt sich ein LängsschnittBild darüber, wie sich die individuelle Meinungslage mit dem Nachrichtenstrom wandelt und welche psychologischen Narrative die individuellen Wahrnehmungsshifts bewirken.
Analyse-Tool: Das morphologische Transformations- Hexagramm und die fragmentierten Narrative der Klimakrise
Aus der morphologischen Analyse der ca. 100 Tiefeninterviews mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit und Klimawandel über den Zeitraum von drei Jahren ergeben sich zentrale psychologische Insights: Die Klimakrise spiegelt sich in einer Krise des Klima-Diskurses. Die gesellschaftliche Debatte und die individuelle aktuelle Wahrnehmung des Themas zerfasert in isolierte widersprüchliche Narrative wie bspw. „5 nach 12“, „grüner Boom“, „nachhaltiger Lifestyle“. Diese positiven und negativen Narrative werden in den Medien ständig gegeneinander ausgespielt, ohne sie produktiv zu vermitteln. Dadurch ergibt sich für den Mediennutzer ein ständiges Fluktuieren mit den News-Cycles.
Der Bedarf nach übergreifenden Erzählungen
Hintergrund für diese fatale Situation ist die grundsätzliche Überspanntheit des Wirkungsraums Klimakrise, den wir mittels der Analyse des morphologischen Hexagramms als dynamisches Gefüge darstellen können. Die Narrative extremisieren tendenziell nur einzelne Pole des Wirkungsgefüges, ohne vermittelnde Zusammenhänge herzustellen. Aus unserer tiefenpsychologischen Forschung können wir Lösungsperspektiven ableiten, wie die beschriebene Krise des Klima Diskurses potenziell überwunden werden kann.
Der Bedarf nach übergreifenden Narrativen
Von Seiten der Medienrezipienten bedarf es einer besonderen Kompetenz und Resilienz, sich nicht einseitig von den negativen und positiven Narrativen ‚mitreißen‘ zu lassen, sondern die Ambivalenzen zwischen den Narrativen auszuhalten. Zudem bedarf es an der Kapazität, Nebenthemen, Ablenkungen und Verlagerungen des Themas als solche zu erkennen. Als übergreifendes Framing für den KlimaDiskurs ist voraussichtlich das Konzept des ChangeProzesses hilfreich. Es gilt Unsicherheiten auszuhalten, Zwischenschritte durchzuhalten und sich von Übertreibungen nicht verunsichern zu lassen.

