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Überarbeitete ISO-Norm ab sofort verfügbar 13.03.2019 / Interviews

Die ISO-Norm 20252 wurde vor einigen Jahren als Gesamtnorm für Dienstleistungen der Markt-, Meinungs- und Sozialforschung geschaffen. Jetzt wurde diese Norm überarbeitet, die neue Version ist ab sofort im Webshop der International Organization for Standardization (ISO) verfügbar. Ein Gespräch mit Dr. Frank Knapp, Vorstandsvorsitzender des BVM, über die Änderungen der Norm und den Sinn und Zweck einer Zertifizierung.

Welche ISO-Normen für die Markt-, Meinungs- und Sozialforschung gibt es?

Knapp: Die ISO-Norm 20252 ist das Grundgerüst für die Marktforschung. Sie zielt darauf ab, eine einheitliche Antwort auf die Herausforderungen in einzelnen Projektschritten zu haben, deren Umsetzung zu dokumentieren,  Abweichungen zu erfassen und projektspezifische oder allgemeine Verbesserungsmaßnahmen zu ergreifen und deren Umsetzung zu verfolgen. Wichtige Aspekte sind dabei auch Bewertung und Onboarding von Dienstleistern, Einarbeitung, Schulung und Weiterbildung von Mitarbeitern sowie regelmäßige Reviews, z. B. in Form interner und externer Audits.

Die ISO-Norm 26362 für Access Panels enthält spezielle Regelungen für Auswahl,  Rekrutierung, Motivation und die Qualitätskontrolle von Panelmitgliedern.

Die ISO-Norm 19731 für digital & web analysis beschäftigt sich mit der zielführenden Definition, Bereinigung und Analyse von passiven Daten – etwa web oder social analytics, tracking und Transaktionsdaten etc.

Was hat sich mit der Überarbeitung der ISO-Norm 20252 geändert?

Knapp: Die letzten beiden Normen sind jetzt in die Gesamtnorm integriert, auch wenn die 19731 parallel weiter existiert. D. h. zertifizierungswillige Unternehmen müssen festlegen, für welche Leistungen sie sich zertifizieren lassen möchten und neben der „Basis“ der Norm damit bestimmte Anhänge berücksichtigen, ein sogenanntes „Statement of Applicability“ (SOA). Damit ist es weiterhin möglich, sich nur für das Thema „Online Access Panel“ zu zertifizieren, wenn man sein SOA entsprechend einschränkt.

Warum sollte ich mich zertifizieren lassen?

Knapp: Sie verfügen danach über innerhalb Ihrer Organisation einheitliche und nachvollziehbare Standards. Die Einarbeitung neuer Mitarbeiter und Qualitätsverbesserungen werden enorm erleichtert. Gleichzeitig verbessern Sie Ihre Chancen bei Ausschreibungen oder anderen externen Audits.

Wer kann sich zertifizieren lassen und wie funktioniert die Zertifizierung?

Knapp: Zertifizieren lassen kann sich grundsätzlich jeder. Dazu brauchen Sie ein dokumentiertes Qualitätsmanagementsystem. Bei dessen Erstellung können Berater helfen, die wissen, auf was die Zertifizierungsbehörde wert legt. Die Zertifizierung selbst erfolgt bei einer Einrichtung, die dies anbietet. Jährlich gibt es ein Überwachungsaudit und alle drei Jahre eine erneute Zertifizierung.

Welchen Mehraufwand habe ich durch die Zertifizierung?

Knapp: Die Zertifizierung zwingt betroffene Unternehmen zu einem umfangreicheren Formularwesen, dem aber eine bessere, klarere Dokumentation als Vorteil gegenübersteht. Als echter Mehraufwand bleiben daher interne und externe Audits, die sich aber auf jeweils mehrere Tage pro Jahr beschränken und eben Voraussetzung dafür sind, ein geprüftes Siegel tragen und kommunizieren zu können.

Bei der Erstzertifizierung entsteht der Hauptaufwand dadurch, dass man entweder bestimmte Bereiche noch nicht geregelt hat oder im Unternehmen unterschiedliche Standards vorhanden sind, die man harmonisieren muss.

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