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Rat der Deutschen Markt- und Sozialforschung steigert Aktivitäten 01.03.2019 / Branchennews

Mit elf eingereichten Beschwerden (im Vorjahr neun) hat sich der von den Branchenverbänden ADM, ASI, BVM und DGOF gemeinsam getragenen Rat der Deutschen Markt- und Sozialforschung in 2018 auseinandergesetzt. Davon wurden sieben Beschwerden abgeschlossen, eine ist in der Bearbeitung durch eine der Kammern, zwei befinden sich noch in der Vorprüfung. Ein weiterer Fall betrifft gefälschte Interviews und ist gleichzeitig auch Gegenstand eines Ermittlungsverfahrens. Gemäß der Beschwerdeordnung ist der Fall bis zum Abschluss des Verfahrens ausgesetzt.

Die angezeigten Fälle betrafen fünf sehr heterogene Themenkomplexe: Drei Beschwerden wurden von Teilnehmern an Online-Panels eingereicht. Hierbei ging es zweimal um die Kündigung eines Teilnehmerkontos durch das Institut, einmal um eine fehlende Auszahlung eines Incentives. Zwei Beschwerden gingen wegen telefonischer Umfragen ein. Einmal wurde trotz der Aufnahme eines Teilnehmers in einer Sperrdatei angerufen, ein anderes Mal das Interview vom Institut abgebrochen.

Auch die Qualität der Forschung war Thema von Beschwerden. Eine Beschwerde richtete sich gegen die Art der Fragestellung, die als suggestiv empfunden wurde. Eine weitere bezog sich auf eine nicht sachgerechte Interpretation von Umfrageergebnissen und ein anderer Beschwerdeführer sah eine Reichweitenstudie methodisch falsch angelegt. Die beiden übrigen Beschwerden betrafen unzulässige Verknüpfung von Marketing/Werbung und Marktforschung.

Bis auf den ausgesetzten mutmaßlichen Betrugsfall waren die Beschwerdeanlässe nicht so gravierend, um sie mit einer Rüge zu sanktionieren. Dem entsprachen auch die Ergebnisse der durch den Rat entschiedenen Verfahren. Eine Beschwerde wurde wegen Unzulässigkeit zurückgewiesen, fünf weitere wegen der Geringfügigkeit der Verstöße eingestellt und ein Verfahren führte zu einem nicht veröffentlichten Hinweis.

Der Vorsitzende des Rates, Raimund Wildner, kommentiert diese Zahlen: „Wir haben zwar mehr Fälle als im Vorjahr und auch mehr als im langjährigen Durchschnitt. Es gibt aber Hinweise, dass vor allem die schweren Beanstandungen noch zu oft unter der Hand geklärt werden.“ Dies sei bedauerlich, weil dadurch die Selbstkontrolle der Branche eingeschränkt werde, so Wildner.

Im vergangenen Jahr hat der Rat die Beschwerdemöglichkeiten erweitert. Während sich bislang nur Befragte, Konkurrenten, Auftraggeber, bestimmte Verbände oder Behörden beschweren konnten, so wird diese Möglichkeit jetzt auch sonst unmittelbar Betroffenen, z. B. Interviewern, die zum Betrug angehalten werden, eingeräumt. Geplant ist außerdem die Einrichtung einer sogenannten Ombudsstelle, der künftig die Beschwerdeführung vereinfachen soll. „Ziel ist, dass der Rat die erste Anlaufstelle bei Beschwerden über die Markt- und Sozialforschung in Deutschland wird“, begründet Wildner diese Maßnahmen.

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