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KI als Dompteur des Menschen 21.03.2019 / Interviews

Interview mit Kongress-Keynote Prof. Dr. Gunter Dueck

Prof. Dr. Gunter Dueck, ehemaliger Mathematikprofessor und IBM-Manager, wird auf dem Kongress der Deutschen Marktforschung als Keynote-Sprecher über „ KI als Dompteur des Menschen – Wie alle versuchen, uns zu programmieren“ referieren. Mit dem BVM sprach er vorab über Themen, die ihn umtreiben, sowie zu seinem Vortrag in Hamburg.

In Ihrer Vita seht, Sie widmen sich der Weltverbesserung. Was möchten Sie verbessern und wie gehen Sie das an?

Philosophen predigen eben und helfen, so gut sie können. Ich bin jetzt nicht jemand, der glaubt, die Welt heilen zu können. Sie kann aber dauerhaft in einem 10-20% besseren Zustand erhalten werden, als der, in dem sie sonst wäre. Dazu gebe ich meinen Teil.

 

Eines Ihrer Bücher beschäftigt sich mit sogenannter „Schwarmdummheit“. Was meinen Sie damit?

Es ist ein Gegenentwurf zur der gehypten Schwarmintelligenz, die bei Startups ja vorkommen kann, wenn... Ja, wenn sich die Leute in einem gemeinsamen Ziel einig sind und ihr Schicksal als ein gemeinsames empfinden („shared fate“). Diese Bedingung wird meist vorausgesetzt – und sofort kann drauflos fabuliert werden, wie schön Teams doch sein werden. Faktisch gibt es Silodenken, Towerpolitik, Brexit und Trump. Die EU und die Welt und überhaupt sind sich einig in dem Ziel der Gemeinschaft – na und? Mein Buch sollte zuerst „Entstehung von Dummheit in Meetings“ heißen.

 

Auf dem BVM-Kongress werden Sie über „KI als Dompteur des Menschen“ referieren. Können Sie kurz erläutern, worum es dabei geht?

Die KI wird genauso gehypt. Ich ärgere mich über die Vorstellung, dass in Kürze Roboter im Prinzip schlauer sein sollen als Menschen an sich. Klappt ja nicht. Aber die KI wird genutzt, um die Prozessorientierung der Arbeit bis zum Exzess zu treiben – und als Prozessdiener brauchen die Menschen ihre Intelligenz nicht mehr so arg, oder? Ketzerisch formuliert: Die Philosophie von Thomas Hobbes nimmt die Menschen als „wölfische Wesen“ an, die sich im Naturzustand bekämpfen – sie brauchen einen starken Staat, der sie befriedet und irgendwie doch zusammenhält. Diese Rolle wird heute langsam von „den Ablaufprozessen“ und „Tools“ übernommen, die schon ganz schön viel KI in sich haben... Sind wir nicht schon alle ein bisschen wie Prozesssklaven?

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