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Die Zukunft der Marktforschung – oder: Vom Glück, eine Marktforscherin in Deutschland zu sein… 23.05.2014 / Positionen / Beate Waibel-Flanz, M:Power Market Research Consulting, BVM-Regionalleitung Niedersachsen

Ich stelle mir vor, ich müsste meine Profession, unsere Standesregeln und ethischen Grundsätze in einem gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, politischen und sozialen Klima verteidigen, in dem die Bekämpfung des Terrorismus, das Wachstum der Wirtschaft, die Verteidigung der Position in der Weltgemeinschaft im Zentrum stehen und Freiheit ein persönlich definierter Begriff ist.

Es stehen Wahlen in Europa an. Artikel 8 der europäischen Grundrechte-Charta gewährt den Schutz der personenbezogenen Daten und es gibt in Deutschland das Recht der informationellen Selbstbestimmung. Trotz aller Herausforderungen und der schwierigen Standortbestimmung und –interpretation der Branche – kann ich mich glücklich schätzen, dass die Gesellschaft, in der ich lebe und auch die politischen Steuerungskräfte eher kritisch-bewahrend agieren, basierend auf gültigem Recht und innerhalb dieses Rahmens die Entwicklung vorantreiben.
So kann ich einen grundsätzlich gesamt-gesellschaftlich-sozialen Konsens zwischen unserer Profession, der Politik und auch der Zivilgesellschaft in unserem Land vermuten.

Was für ein Pfund, mit dem die Profession in Deutschland wuchern kann! Welche Kraft, welche Glaubwürdigkeit, welche Zukunftschance kann sich daraus entwickeln, wenn wir dieses Potential gemeinsam entfalten und wir diesen Schulterschluss auch stärker nach außen vertreten!

Ganz bestimmt werden wir auch bald wieder sehr viel mehr aus der Sozialforschung hören und nicht nur von Tools im Kontext von Big Data – bei allem professionellen Interesse für dieses spannende Feld. Denn mit der Sozialforschung haben wir einen starken Berufszweig, mit dem wir Politik und Branche koppeln und die Bedürfnisse und Wünsche zum Nutzen der Zivilgesellschaft transparent machen können.
Denn trotz immer wieder anzutreffendem mehr oder weniger bewusstem Netz-Exhibitionismus ist die eigentliche Triebfeder der Wunsch nach Teilhabe an einer extrem spannenden neuen Welt. Ich glaube, dass in unserer Gesellschaft dennoch der Wunsch nach sicherer Bewegung in der digitalen Welt, nach Privatheit, nach informationeller Selbstbestimmung vorhanden ist und alle „Übertretungen“ entweder einer grenzenlosen Überforderung durch technologische Komplexität oder schlichtweg einer nicht vornehmbaren Abschätzung von Konsequenzen geschuldet ist (Stichwort „informierte Einwilligung“).

Die Zukunft der Marktforschung? Die liegt in ihren Wurzeln, in ihrer Glaubwürdigkeit und darin, dass sie verlässlich-berechenbar bleibt und unter diesen Stichworten sich weiter entwickelt. Und sich den Herausforderungen stellt, dabei eine klare Position bezieht, ihren Markenkern herausstellt und damit ihre gesellschaftlich-politische Relevanz behält und unterstreicht.

Ja, ich bin froh darüber, eine Marktforscherin in Deutschland zu sein und mit meiner Profession den Wandel verantwortlich mitzugestalten.

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