Mythos Zielgruppe 50plus:
Ist die Zukunft wirklich altersfrei?
Ist die Zukunft wirklich altersfrei und warum spricht man vom Mythos der Zielgruppe 50plus? - Mit diesen Fragen setzten sich die Teilnehmer der letzten Fachtagung am 25.04.07 zum Thema Seniorenforschung auseinander. Die Statistik beweist es: Der Bevölkerungsanteil der über 50jährigen nimmt rapide zu, denn in etwa 25 Jahren wird sogar jeder dritte Deutsche über 60 Jahre sein.
Die Fachtagung hatte das Ziel, Klarheit über das Ausmaß des demografischen Wandels und seine Konsequenzen für Marketing, Produktentwicklung, Städteplanung usw. zu verschaffen. Daneben wurde die Frage behandelt, ob und inwieweit seitens der Marktforschung Anpassungsbedarf besteht, um sich der immer größer werdenden Gruppe 50plus zu nähern und deren Bedürfnisse systematisch analysieren zu können.
Hochkarätige Referenten lieferten mit einer interessanten Mischung aus Theorie und Praxis inhaltsreichen Diskussionsstoff. Bernd M. Michael, Grey, ging mit seinem Vortrag der Frage nach, warum das Marketing die kaufkräftigste Generation aller Zeiten ignoriert - explodiert sie doch zahlenmäßig, verfügt über ein vierfach höheres „freies“ Geld als der Durchschnitt und verhält sich aktiver und lebensfroher denn je. Einen Wegweiser für Kommunen, der Daten, Bevölkerungsprognosen und differenzierte Konzepte auf Basis von Demographietypen liefert, hat Kerstin Schmidt, Bertelsmann Stiftung, entwickelt und vorgestellt. André Petras, TNS Infratest, bestätigte, dass die Best Ager keine homogene Zielgruppe sind. Nach der Semiometrie-Analyse von TNS Infratest zählen jeweils rund ein Drittel der Best Ager über 50 zu den „Passiven“, den „kulturellen Aktiven“ und zur Gruppe der „erlebnisorientierten Aktiven“ und gerade die letzte Gruppe wird die nächsten Jahre zahlenmäßig zunehmen. Dr. Hanne Meyer-Hentschel, Meyer-Hentschel Institut, berichtete über die Entstehung eines systematischen Seniorenmarketing im Verlauf der letzten 25 Jahre und sieht demographie-agile Strategien für notwendig an. Und Bodo Bauer von der „Nordwest-Zeitung“ aus Oldenburg berichtete über die Erfahrungen bei der Einführung eines speziellen Zeitschriften-Produktes für die Zielgruppe 50plus. Tiefenpsychologische Explorationsverfahren stellte Lisa Neundorfer, IFAK, vor. Sie ging der Frage nach, warum sich viele Marktforscher mit einem vertieften Einlassen auf die Zielgruppe so schwer tun. Silke Erbslöh und Dr. Jörg Maas, phaydon, beschrieben die aus einer aktuellen phaydon-Studie abgeleiteten Empfehlungen für Werbemacher. Zielsetzung war die kommunikative Ansprachen der Zielgruppe über Print und Internet. Rolf Kirchmair, Seniorresearch, kehrte in seinem Abschlussreferat die Heterogenität, die physische Veränderung im Alter und den psychischen Wandel als Besonderheiten der Zielgruppe 50plus heraus, die Konsequenzen für die Marktforschung aus der Sicht von Unternehmen und Instituten nach sich ziehen. Durch den Tag führte sehr unterhaltsam der ZDF-Moderator Martin Leutke.
Trotz der Fülle des Programms hatten die Teilnehmer Gelegenheit zur Diskussion und zum Austausch in den Pausen und während des Abschluss-Cocktails. Es war also für jeden etwas dabei.